Nervös am ersten Abschlag? So gehst du mit den blanken Nerven am ersten Tee um
Kaum eine Sportart stellt so hohe Anforderungen an die mentale Stärke wie Golf. Viele Golferinnen und Golfer können den Ball wie ein Scratch-Golfer schlagen – zumindest hin und wieder. Was die wirklich guten Spielerinnen und Spieler vom Rest unterscheidet, ist die Fähigkeit, es dann abzurufen, wenn es darauf ankommt. Und dabei spielt der Kopf eine große Rolle: Wie man mit Druck, Rückschlägen und Nervosität umgeht – insbesondere am ersten Abschlag.
Wir waren alle schon einmal in dieser Situation. Am ersten Abschlag fühlt sich der Körper plötzlich etwas steifer an, der Puls ist höher und die Gedanken kreisen um alles, was jetzt bloß nicht passieren darf – obwohl die Abschläge wenige Minuten zuvor auf der Driving Range noch ganz einfach waren.
Aber was passiert eigentlich, wenn wir nervös werden – und wie schaffen wir es, Körper und Gedanken zu beruhigen? Laut Magnus Andersson, Golfstore-Pro im schwedischen Växjö Golfklubb und ehemaliger Caddie auf der European Tour, gibt es eine ganz konkrete Sache, mit der du anfangen kannst.
– Der schnellste Weg, mit Nervosität umzugehen, ist, die eigene Atmung unter Kontrolle zu bekommen.
So kann die Atmung die Nervosität reduzieren
– Nervosität wirkt sich generell auf die Atmung aus, sodass man nur noch hoch oben in den Brustkorb atmet, sagt Magnus und fährt fort:
– Leg eine Hand auf den Brustkorb und die andere über den Bauchnabel. Spüre, wie sich der Bauch nach innen und außen bewegt. Atme tief ein und aus und atme 20–25 Sekunden lang auf diese Weise. Dann nimmt die Nervosität normalerweise ab.
Mentaltraining beginnt lange vor dem ersten Abschlag
Die Atmung hängt eng damit zusammen, wie der Körper auf Stress und Nervosität reagiert. Der bekannte Sportpsychologe Kjell Enhager, der unter anderem mit der schwedischen Golfnationalmannschaft und einer jungen Annika Sörenstam gearbeitet hat, sagt häufig, dass man nicht nervös sein kann, wenn man richtig atmet.
Der schnellste Weg, mit Nervosität umzugehen, ist, die eigene Atmung unter Kontrolle zu bekommen.
– Natürlich solltest du nicht erst am ersten Abschlag anfangen, deine Atmung zu trainieren. Achte stattdessen darauf, wie du in verschiedenen Alltagssituationen atmest, und beobachte, wie du atmest, wenn du dich gestresst fühlst. Achte auf deine Muster und trainiere zu Hause auf dem Sofa. Übe unterschiedliche Atemzüge und beobachte, wie sie sich auf den Rest deines Körpers auswirken, sagt Magnus. Gleichzeitig betont er, dass Nervosität ganz natürlich ist und in der richtigen Dosis sogar hilfreich sein kann.
– Sie zeigt, dass mir etwas daran liegt – und das ist doch großartig!
Auch die besten Golfer werden nervös
Manchmal sieht es so aus, als wären gute Golfer auf dem Platz völlig entspannt. Aber natürlich „liegt ihnen auch etwas daran“, und auch sie werden nervös.
– Der Unterschied ist, dass sie die Möglichkeiten sehen, erfolgreich zu sein. Sie beziehen Risiken in ihre Analysen ein, bevor sie ihre Entscheidungen treffen, konzentrieren sich anschließend aber darauf, wohin sie den Ball schlagen wollen und wie sie das tun wollen. Vieles dreht sich darum, einen vernünftigen Dialog mit sich selbst zu führen, sagt Magnus und fährt fort:
– Eigentlich ist es gar nicht so kompliziert, wie es vielleicht klingt. Du solltest ganz einfach darüber nachdenken, was du tun willst, anstatt darüber, was du nicht tun willst. Und diese Herangehensweise kannst du in jedem einzelnen Moment jeder Trainingseinheit üben. Gib dir selbst eine klare Aufgabe.
Und wenn dann doch etwas schiefgeht?
Mit der Nervosität am ersten Abschlag umzugehen, ist ein Teil des mentalen Spiels. Aber was passiert, wenn der Ball dann im Wald liegt, der Wedge-Schlag getoppt ist und das Katastrophenloch Realität geworden ist? Dann kommt es darauf an, den Kopf zurückzusetzen und weiterzumachen.
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