Golf boomt. Und in vielen Ländern wird das Wachstum vor allem von jungen Spielerinnen und Spielern getragen. Mehr Jungen als je zuvor spielen Golf, und in einigen Regionen steigt auch die Zahl der Mädchen – eine Zielgruppe, die der Golfsport historisch gesehen nur schwer erreichen konnte.
Linda Forsberg ist Golfstore-Pro und verantwortlich für die Jugendarbeit im erfolgreichen Landeryds Golfklubb. Kurz vor unserem Gespräch wurde sie von der PGA of Germany kontaktiert, um einen Vortrag über Nachwuchsförderung zu halten. Kein Zufall: Landeryd belegt regelmäßig Spitzenplätze in den schwedischen Jugendrankings. Doch Linda betont sofort einen wichtigen Punkt: Ohne Breite gibt es keine Spitze. Und genau diese Breite – die mehr als 200 trainierenden Jugendlichen – bildet das Rückgrat des Clubs.
Keine Spitze ohne eine starke Basis
Neben den 200 Jugendlichen gibt es rund 60 Kinder in der Gruppe „Golfspaß“ für die Jüngsten unter acht Jahren sowie ein „Future Team“ mit etwa 60 Turnierspielern.
– Golfspaß ist unser Einstiegsprogramm für Kinder, die den Golfsport gerade erst entdecken. Dabei geht es in lockerer Atmosphäre vor allem darum, Spaß zu haben. Es gibt weniger Trainingseinheiten, dafür viele Koordinationsübungen und Schläge mit Plastikbällen, die leichter sind und einfacher in die Luft gehen, erzählt Linda und fährt fort:
– So bekommen selbst die jüngsten Kinder das Gefühl, einen Ball über einen Bunker schlagen zu können. Die Kinder bleiben in dieser Gruppe, bis sie acht Jahre alt sind. Wenn sie früher bereit sind, können sie jedoch bereits vorher in das reguläre Training wechseln.

Ab welchem Alter kann man sein Kind mit auf den Golfplatz nehmen?
– Eigentlich schon, sobald das Kind stehen kann. Für echten Golfspaß würde ich aber sagen, dass die Kinder etwa sechs Jahre alt sein sollten. Sonst wird es schnell mehr Kinderbetreuung als Golftraining. Ich empfehle jedoch unbedingt, schon vorher einen Plastikschläger und vielleicht einen Floorball mitzunehmen. Damit lässt sich leicht und mit viel Freude spielen.
Wenn wir auf die etwas älteren Altersgruppen schauen, in denen die eigenen Interessen und Wünsche der Kinder stärker in den Vordergrund rücken, erkennt Linda klare Gründe für die steigende Popularität des Golfsports.
Unglaublich viel läuft über Freundschaften und persönliche Beziehungen. Oft ist es jemand aus der Fußballmannschaft oder aus der Schule, der eine Freundin oder einen Freund zum Golf mitbringt.
Viele Anfänger nennen sehr häufig einen Sohn, eine Tochter oder Bekannte als Grund dafür, wie sie zum Golfsport gekommen sind. Fast immer gibt es jemanden, der sie mit dem Spiel in Kontakt gebracht hat. Deshalb geben wir ihnen oft die Aufgabe, eine Freundin oder einen Freund mitzubringen, die oder der noch nie Golf gespielt hat.
So begeistert Landeryd Mädchen für Golf
Ein großer Teil des Erfolgs von Landeryd besteht auch darin, Umgebungen zu schaffen, die junge Menschen motivieren und ihnen Spaß machen. Das betrifft sowohl die Infrastruktur als auch – vielleicht noch wichtiger – eine inklusive Atmosphäre für Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen.
– Wir beobachten sehr unterschiedliche Verhaltensmuster bei Jungen und Mädchen. Ich habe viel mit unseren jungen Golferinnen und Golfern gesprochen und ihnen zugehört. Jungen haben oft Vorbilder wie Ludvig Åberg oder andere Stars, die sie im Fernsehen sehen und online verfolgen können. Ihr Interesse am Golf begleitet sie auch nach Hause, sagt Linda und erzählt anschließend, dass Mädchen häufig nach etwas ganz anderem suchen.
– Bei den Mädchen ist das völlig anders. Natürlich nennen einige Linn Grant als Vorbild, aber viel häufiger fällt der Name Meja Örtengren, die beste Spielerin unseres Clubs. Noch häufiger werden die eigene Mutter, der Vater oder die Jugendtrainerin beziehungsweise der Jugendtrainer genannt. Mädchen möchten Vorbilder haben, die greifbar sind. Dieser Unterschied zwischen Jungen und Mädchen zeigt sich auf viele Arten. Viele Jungen verfolgen die Ergebnisse ihrer Freunde über Golf GameBook und wissen genau, welchen Putter Rory McIlroy spielt, während viele Mädchen kaum wissen, welchen Putter sie selbst im Bag haben. Man findet Golf einfach aus unterschiedlichen Gründen spannend. Deshalb ist es wichtig, dass wir ihnen ständig unterschiedliche Angebote machen.
Trainiert wird in Gruppen, doch die Mädchen treffen sich oft zusätzlich in größeren Gemeinschaftsgruppen.
– Dadurch fühlt man sich als Teil der Gemeinschaft und nicht so klein oder übersehen, wie man es sonst vielleicht tun würde, erzählt Linda, bevor sie auf den vielleicht wichtigsten Grund für den Erfolg der Mädchen in Landeryd eingeht: Viele Mädchen werden mit zunehmendem Alter selbst Trainerinnen für die jüngeren Mädchen.
Das können Mädchen sein, die sich niemals als Turniergolferinnen sehen werden, aber Golf über alles lieben. Wenn sie gefragt werden, ob sie als Trainerinnen helfen möchten, freuen sie sich sehr. Gleichzeitig werden sie selbst zu dem Vorbild, das sie früher einmal hatten.
Sie lernen viel über ihr eigenes Spiel, geben ihr Wissen an die Jüngeren weiter und haben dadurch noch mehr Freude am Golf.
Führung und Gemeinschaft im Fokus
Mehrfach hatten die Jugendlichen des Clubs die Gelegenheit, internationalen Profigolfsport aus nächster Nähe zu erleben. Natürlich entstehen dadurch neue Vorbilder und Träume.
Heute hat Landeryd 117 weibliche Jugendmitglieder im Alter von 0 bis 21 Jahren. Die beste von ihnen heißt Meja Örtengren. Sie gehört zu den besten Amateurgolferinnen der Welt. Trophäen sind schön, doch in Landeryd weiß man, dass eine starke Spitze nur so stark sein kann wie die breite Basis darunter.
– Im Alter von 13 oder 14 Jahren entscheidet sich oft, ob man Golf nur zum Spaß spielt oder ob man Wettkämpfe bestreiten möchte. Diejenigen, die Turniere spielen wollen, sind ständig im Club, um zu trainieren und besser zu werden. Die anderen sind diejenigen, für die wir am härtesten arbeiten, damit sie dabeibleiben.
– Wirklich erfolgreich sind wir, wenn jemand dem Golfsport ein Leben lang treu bleibt – und nicht nur einige Jahre Turniere spielt und dann ganz aufhört.