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Die Psychologen des Golfsports – so ist der Job des Caddies

Es geht um so viel mehr als nur das Tragen der Schläger.
Wir haben uns mit dem Golfstore-Pro und ehemaligen Tour-Caddie Magnus Andersson über die eigentliche Rolle des Caddies unterhalten.
„Man ist ein bisschen wie ein Psychologe“, sagt er.

Als wir mit Magnus Andersson sprechen, ist er zu Hause und grübelt. Die Driving Range desGolfclubs Växjö soll umgebaut werden, und er möchte, dass sie dem Golfplatz so ähnlich wie möglich wird. Trainieren, wie man spielt - so werden seine Schüler besser.
„Es ist gut, eine Art Wunschliste für die Zukunft zu haben: nämlich wie eine Trainingsanlage aussehen sollte - also sitze ich hier und mache mir Gedanken.“

Die Träume reichen von Zielbildern bis hin zu anspruchsvollem Putten, bei dem man über eine App im Mobiltelefon die Fläche des Grüns einstellen kann. So lassen sich beispielsweise Putts nachstellen, auf die ambitionierte Jugendliche eines Tages auf der Tour stoßen könnten.
„Man kann Jack Nicklaus‘ Putt am 17. Loch nachspielen, als er 1983 die Masters gewann, oder den Putt von Seve Ballesteros am 18. Loch, als er bei The Open auf St. Andrews siegte“, berichtet Magnus begeistert.

Die Tatsache, dass es möglich ist, bessere Bedingungen für das Golftraining zu schaffen, ist positiv, denn das Golftraining besteht immer im hohen Maß daraus, Schläge auf der Driving Range zu schlagen, die überhaupt nichts damit zu tun haben, was einen später draußen auf dem Platz erwartet.
„Es kommt sehr auf den Vertrag zwischen Club und Trainer an, also ob man angestellt ist oder nicht. Ich hatte das Glück, einige Jahre lang angestellt zu sein, und da konnte ich die Aktivitäten über das Jahr verteilen, die Zeit einteilen und eine Entwicklung schaffen. Der Winter ist beispielsweise perfekt, um an der Technik zu feilen, da wir nicht raus und Ergebnisse auf dem Platz erzielen müssen.“
„Aber in Golfclubs, wo die Verträge anders sind, beginnt das Training vielleicht erst im April. Dann müssen die Junioren während der Saison an ihrer Technik arbeiten, was zu einem Konflikt führen kann, der es schwierig macht, gute Leistungen auf dem Platz zu erzielen.“

Genau dieser Punkt, nämlich die Leistung auf dem Platz, ist der Ausgangspunkt unseres Gesprächs. Schwedens neuer Star Ludvig Åberg hat sich trotz großer Fortschritte entschieden, den Caddie zu wechseln.
Das hat mich zum Nachdenken darüber gebracht, was eigentlich die Rolle des Caddies ist.

Magnus Andersson hat für einige der erfolgreichsten Spieler Schwedens das Bag getragen und bietet unter der Regie der PGA of Sweden eine Caddieausbildung an.
Wenn also jemand die Antwort auf meine Frage hat, dann er.
„Der Aufgabe des Caddies ist es, seinen Spielern zu helfen, die bestmögliche Leistung zu erbringen. In den Tagen vor dem Wettkampf geht es darum, sich so gut wie möglich vorzubereiten und die Voraussetzungen für eine gute Leistungen zu schaffen“, sagt er und fährt fort.
„Danach geht es vor allem um den mentalen Teil. Alle Spieler auf der Tour sind in der Lage, einen Golfball zu schlagen, doch sie sind nicht immer reif dafür, kluge Entscheidungen zu treffen.“
„Wenn man sich Ludvig ansieht, dann ist die Reife, die er an den Tag legt, sein Selbstvertrauenund das Wissen um seine eigenen Stärken ziemlich beeindruckend, vor allem aber, wie er mit ihnen umgeht und auf der Basis dieser Parameter spielt. Das erinnert ein bisschen an Tiger Woods, als er auf die Tour kam.“
„Damals dachten viele ‚Tiger ist jung, und ein bisschen wie ein Welpe‘, doch mental war er reif. Es geht darum, das eigene Potenzial zu erkennen, ohne sich darum zu kümmern, was andere Spieler tun und wie sie spielen.“ 

Eine von Magnus‘ wichtigsten Erinnerungen als Caddie stammt aus dem Jahr 1996, als er sich eine Auszeit von seinem Trainerjob nahm, um mehr über das Leben auf der Tour zu lernen. Bei den Scottish Open sollte er das Bag von Mats Hallbergs tragen, und er war deshalb gerade per Flugzeug aus Dublin gekommen und landete in Prestwick an der schottischen Westküste.
„Ich spielte seit 1979 Golf, war aber noch nie in Schottland gewesen“, berichtet er. „Wir gingen vom Flughafen zum Bahnhof, und als wir auf dem Bahnsteig standen, wurde uns klar, hier ist ja der Prestwick Golf Club, wo die erste Open gespielt worden waren‘. Dann fuhren wir über Troon nach Carnoustie, wo Ben Hogan 1953 gewonnen hatte. Mats und ich gingen auf den Platz und diskutierten Ben Hogans Strategien. Natürlich waren wir da zwei Nerds, die viel über das Golfen und seine Geschichte sprachen.“
„Aber die stärkste Erinnerung war, dass Mats durch Los bestimmt wurde, den ersten Abschlag des Turniers machen, und als wir am 1. Tee standen und Ivor Robson zum Mikrofon griff, umuns zu den Scottish Open willkommen zu heißen und Mats vorzustellen… da habe ich geweint.“

Es sollten jedoch nicht die letzten Tränen dieser Woche bleiben.
„Als bei der Siegerehrung die Dudelsackpfeifer über die Brücke am 18. Loch zogen, da stand ich vor dem Clubhaus und weinte schon wieder.“
Mats Hallberg wurde Dritter des Turniers und qualifizierte sich damit für The Open im Royal Lytham & St. Annes.
Aber das ist eine Geschichte für sich.

Während der Woche in Carnoustie hatte Mats ziemlich deutlich gesagt, dass er nicht wissen will, auf welchem Platz er auf dem Leaderboard steht. Der Fokus sollte auf dem Prozess liegen und darauf, gute Golfschläge zu machen, und Magnus hat diesen Wunsch beherzigt.
Als Mats am Finaltag am 14. Loch zum Birdie einlochte, stand ein riesiges Leaderboard direkt am Grün. Magnus sah, dass sie gleichauf in Führung lagen, und eilte zu seinem Spieler, legteihm den Arm um die Schultern und führte ihn zum nächsten Abschlag. Mats bekam so das Leaderbord nicht zu sehen!
„Plötzlich kam ein Golfmobil mit Fotografen angefahren, und als er dann am 16. Loch puttete, saßen da 30 Fotografen mit Teleobjektiven und knipsten drauf los. Da rief Mats mich zu sich und sagte, ‚es läuft wohl ganz gut, ansonsten wären die ja nicht da?‘
Ich antwortete: ‚Schon möglich, aber konzentriere Du Dich auf die Linie und das Tempo, dann reden wir weiter.‘ Das Leaderboard war eine Sache, aber mein Job war es, ihm zu helfen, sich auf die richtigen Dinge zu konzentrieren.“

Als Mats den letzten Putt des Tages gespielt hatte, umarmte Magnus seinen Arbeitgeber und Freund: „Jetzt ist klar, dass wir bei The Open dabei sind!“

1996 war ein Herbst, den er mit Patrik Sjöland verbrachte. Gegen Ende der Saison hatte sich Sjöland von seinem Caddie getrennt, und nachdem Patrik in den Saisons 1994 und 1995 von Magnus trainiert worden war, lag es für ihn nahe, Magnus zu bitten, während der letzten drei Wettkämpfe des Jahres sein Bag zu tragen: Dunhill Cup auf St. Andrews, Volvo Masters in Valderrama und den World Cup in Südafrika.
„Was für Orte! Da fiel mir die Wahl nicht schwer… Caddie auf St. Andrews zu sein, das war einfach fantastisch. Und wir würden Steve Stricker treffen, den zu sehen, war unglaublich beeindruckend.
Was hast Du als Caddie bei all diesen Ausflügen gelernt?
„Dass die wichtigste Aufgabe des Caddies darin besteht, den Spieler mental stabil zu halten, ihn zu ermutigen und anzufeuern und die Situation und den Spieler lesen zu können.“
„Die Spieler haben oft ein ganzes Team von Trainern, aber der Caddie ist die Person, die die meiste Zeit mit dem Spieler verbringt. Daher ist es wichtig, präsent zu sein und den Zustand desanderen beeinflussen zu können.“
„Dann geht es auch darum, vorbereitet zu sein, die Schläger in Ordnung zu halten und den Platzwart zu kennen. Diese Dinge sollten keinen unnötigen Stress verursachen. Ich sage gern, ‚ein Sandkorn stört dich erst, wenn Du es im Socken hast und hundert Kilometer gehen sollst. Am Schluss hast Du Blasen an den Füßen und kannst nicht weitergehen.“
„Bei meinem Caddiekurs sprechen wir sehr viel darüber, welche Erwartungen der Spieler oder die Spielerin an Dich hat und was Du tun sollst. Aber es geht auch um ganz banale Dinge, wie die Ordnung im Bag. Manchen Spielern ist das egal, während andere die Schläger in genau dem richtigen Fach haben möchten.“
„Es passiert sehr schnell, dass eine Irritation entsteht, die dazu führt, dass der Spieler nicht in derrichtigen Verfassung ist, um einen guten Schlag zu machen.“

Die Eltern sind meistens diejenigen, die den Spieler am besten kennen. Was hältst Du von Eltern, die die Caddieweste anziehen?
„Sie haben ihre Kinder ein Leben lang als Individuen begleitet und wissen oft, wie das Kind auf verschiedene Dinge reagiert. Dadurch kann es Situationen geben, in denen sie sich einmischenund mit zu vielen Gefühlen reagieren, was ein professioneller Caddie vielleicht nicht getan hätte.“
„Ich erinnere mich, als ich jung war, und mein Vater mein Caddie war. Er steckte die Schläger oft ins falsche Fach, was mich wahnsinnig irritierte. Doch eigentlich kam die Irritation ja daher, dass ich wegen der Wettkampfsituation gestresst war und Angst hatte, zu versagen. Also suchte ich einen Schuldigen, eine Person, von der ich wusste, dass sie bedingungslos für mich da sein würde, egal was passierte.
„Das ist nichts, worauf ich heute stolz bin. Aber er war immer da. Und es ist klar, dass es einem Sicherheit gibt, zu wissen, dass man akzeptiert ist, egal wie die Dinge laufen.“

Wenn ich mich an meine eigenen Turniere erinnere, dann war es entweder der Jackpot oder eine totale Katastrophe, wenn meine Eltern den Caddie für mich machten.
„Wir erinnern uns an die Dinge, die mit starken Gefühlen verbunden sind. Wenn es gut läuft, ist man euphorisch. Wenn es schlecht läuft, hat man mit schwierigen Gefühlen zu kämpfen, aberauch die sind stark und deshalb erinnern wir uns an sie.“
„Mein Vater starb vor ungefähr einem Jahr, und wenn ich jetzt zurückdenke, fallen mir kaum die alltäglichen Dinge ein, während ich mich an die großen und schönen Augenblicke ziemlich guterinnere. Meine Kinder und ich sprechen oft darüber, wie wir nach Gran Canaria geflogen sind, um den 80. Geburtstag meines Vaters zu feiern, denn das sind starke Gefühle. Wir werden uns den Rest unseres Lebens daran erinnern.“

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