Light and Tight

Beim Solheim Cup konnte ein aufmerksamer zuschauer vor ein paar jahren bemerken, wie die amerikanerinnen bei jedem schlag ihre regen- und windjacken auszogen. Die europäischen spielerinnen waren bequem und behielten ihre jacken an.

Wir müssen immer davon ausgehen, wie ein Golfer sich bewegt. Wie sich eine Golferin fühlt, wenn sie Regenbekleidung trägt“, sagt Chris Mattsson, Chefdesignerin bei Abacus Sportswear. Das Unternehmen, das in fünf Fällen Ausrüster der Solheim Cup-Mannschaft war.

„Natürlich in Kombination mit der Funktion, also sich trocken und warm zu halten. Und dies ist eine kontinuierliche Arbeit“, erklärt sie.

Als sie die europäischen Teilnehmerinnen in der von ihr designten Kleidung spielen sah, wusste sie, dass das Unternehmen auf dem richtigen Weg war. Die Kleidung, ganz egal ob es sich um Poloshirts, Jacken oder Hosen handelt, darf einen nicht ablenken. Nicht die Gedanken auf sich ziehen. Sie muss etwas Selbstverständliches, ja sogar Lustvolles sein. Und hierfür gibt es Beispiele.

„Na klar, als die schwedische Spitzenspielerin Anna Nordqvist in ihrer Regenjacke spielte, obwohl die Sonne von einem leuchtend blauen Himmel schien, war das doch ein eindeutiger Beweis, dass sie sich in ihrer Kleidung wohlfühlte.

Ich möchte sogar so weit gehen und behaupten, dass das Wohlbefinden die Voraussetzung für einen niedrigen Score ist. Durch richtige Kleidung kann man Schläge einsparen“, sagt Chris Mattsson mit einem Lächeln. 


Chris hat mit allen Solheim Cup-Spielführerinnen eng zusammengearbeitet, damit die Wünsche jeder einzelnen Spielerin berücksichtigt werden. Das Wetter ist bei einem Turnier wie dem Solheim Cup ja ein wichtiger Faktor, und da gilt es natürlich, dass die Funktionskleidung allen das Gefühl gibt, bequeme Kleidung zu tragen, geschützt zu sein und gut auszusehen. Die Bekleidung kann damit in der Tat entscheidend für das Ergebnis sein.

„Bei einer solch engen Zusammenarbeit habe ich immer ein offenes Ohr für die Meinungen und Erfahrungen anderer. Vor dem Turnier in Colorado, USA, war die Spielführerin Lotta Neumann sehr darauf bedacht, dass die Kleidung hell sein sollte, da das Klima warm und feucht war. Helle Kleidung zieht Wärme nicht so sehr an wie dunkle oder schwarze. 

Abacus Sportswear kleidet Golfspieler jetzt seit zwanzig Jahren ein, und die Gedanken, womit sich das Unternehmen beschäftigen und was es darstellen sollte, gelten immer noch.

„Hin und wieder werfe ich einen Blick zurück, um zu sehen, was uns zum damaligen Zeitpunkt antrieb“, berichtet Sven-Olof Karlsson, Geschäftsführer und Gründer der Firma, „und freue mich darüber, feststellen zu können, dass wir weiterhin den ursprünglichen Gedanken und Plan verfolgen.“

Vor zwanzig Jahren erkannte er den Bedarf, Golfbekleidung zu erneuern und zu modernisieren. Und damit war er nicht allein. Es gab mehrere Akteure, die auf denselben Gedanken gekommen waren, doch die Konkurrenz war stimulierend. 

„Das führte letztlich dazu, dass den Golfern klar wurde, dass man sich etwas frecher, etwas farbenfroher kleiden konnte. Hier haben wir Jesper Parnevik für seine Starthilfe zu danken. Auch wenn er nicht unsere Kleidung trug, so stand er für das Neue. Doch wir haben uns schon damals auf die Funktion konzentriert.“

Es war vielleicht kein Zufall, dass viele schwedische Unternehmen für ihre Regen- und Windbekleidung bekannt wurden. Das Wetter hier stellt ja auch Anforderungen an die richtige Bekleidung.

„Ja, aber dann müsste uns Großbritannien in der Entwicklung eigentlich voraus sein“, wendet Sven-Olof ein, „doch zu jener Zeit ist dort nicht viel passiert. Nein, es war hier in Schweden, wo wir an einer Erneuerung gearbeitet haben.“

Er hat selbst mit einem englischen Unternehmen aus der Branche gearbeitet und kommt schnell darauf zu sprechen, wie konservative Gedanken vorherrschten.

„Wenn wir gerade von konservativen Gedanken sprechen, so gilt dies auch für viele schwedische Golfer. Wenn ich ein wenig selbstkritisch sein soll, dann hätten wir uns noch stärker hinsichtlich der neuen Materialien und der Art und Weise, wie moderne und effektive Kleidung produziert wird, vermarkten müssen.“

„Einigen fällt es schwer, wirklich daran zu glauben, dass unsere Produkte regendicht sein können, wenn man bedenkt, mit welch hauchdünnen Materialien wir arbeiten.“ 

„Die Materialien haben sich enorm verbessert. Klar sind sie Wasser abweisend und warm, ohne dass wir schwitzen, daran arbeiten wir seit langem, doch jetzt steht Stretch im Mittelpunkt. Das Kleidungsstück muss nicht groß und umfangreich sein. Es fühlt sich auch bequemer an, wenn man nicht hört, dass wir uns bewegen. Still und geschmeidig soll es sein.“

Er betont, dass die Eckpfeiler des Unternehmens Funktion, Design und Qualität sind. Das ist nicht ungewöhnlich, denn die meisten Unternehmen wollen mit guter Funktion und cooler Bekleidung, die Maß hält, in Verbindung gebracht werden, doch Abacus möchte diese Eckpfeiler kontinuierlich weiterentwickeln. Für Abacus geht es darum, unter den unterschiedlichen Materialien und Stoffen die richtigen zu finden, eine Arbeit, die in jeglicher Hinsicht umfassend ist.

„Ja, bei jeder neuen Kollektion schauen wir uns mehr oder weniger alles an, was auf dem Markt erhältlich ist. Zwischen zwanzig- und dreißigtausend Stoffe werden von uns angesehen und angefasst, um diejenigen zu finden, die für uns am besten geeignet sind.“


Vom Preis her liegt Abacus etwas unter den Wettbewerbern. Ist es ausschließlich positiv, einen niedrigen Preis zu halten?

„Ja, wir behalten gerne dieses Image, denn ich bin der Ansicht, dass wir den Verbrauchern einen hohen Wert für ihr Geld bieten.“ 

„Doch wir schielen nicht danach, was unsere Wettbewerber tun, wir konzentrieren uns die ganze Zeit auf unsere Entwicklung. Ein gutes Beispiel für diese Entwicklung ist der Reißverschluss in unseren Regenhosen. Er endet ein kurzes Stück oberhalb des Hosenbeinsaums. Auf diese Weise werden die Füße nicht nass. Das Wasser läuft nicht in den Schuh, weil der Stoff auf der Außenseite des Schuhs aufliegt. Außerdem ist es viel leichter, die Hosenbeinlänge zu ändern, wenn kein Reißverschluss im Weg ist.“

„In diesem Jahr machen wir auch einen großen Schritt mit der X-Series-Kollektion. Es handelt sich um ein neuartiges Konzept, das bei Funktion und Design im Markt absolut an der Spitze steht, etwas ganz Neues.“

„Ein kleines, aber wichtiges Beispiel findet man an der Regenjacke. Oben im Ärmel wurde ein Gummizug eingearbeitet, der es dem Spieler ermöglicht, den Ärmel ganz einfach ein Stückchen hochzuziehen, ohne an einem Klettverschluss herumfummeln zu müssen, den die meisten haben.“

Auch wenn die Entwicklung mit Riesenschritten voranschreitet, gibt es auch heute noch keine Stoffe, die ganz ohne Instandhaltung auskommen. Nach jeder Wäsche sollte man die Wasser abweisenden Funktionen erhalten.

„Ja, doch auch hier hat die Entwicklung Fortschritte gemacht“, meint Sven-Olof.

„Heutzutage verwenden wir immer mehr umweltfreundliche Gewebe. In unserer Kollektion X 37.5 werden überhaupt keine Chemikalien verwendet, dafür hingegen u. a. Kokosnuss und Lavasand.


Mit Freude können wir feststellen, dass Schweden in dieser Hinsicht ein Pionierland ist. Andere Länder verfolgen genau, was wir machen.“

Immer mehr Menschen gehen Freizeitbeschäftigungen im Freien nach, was hohe Anforderungen an die Ausrüstung stellt. Bekleidung, die dafür sorgt, dass man bessere Leistungen erbringen und die Anstrengung genießen kann. Daher ist es keine Überraschung, dass Kleidung von Abacus beispielsweise für den Reit- oder Radsport interessant ist.

„Ja, Tatsache ist, dass wir viele Anfragen von diesen beiden Gruppen erhalten, doch derzeit liegt unser Hauptfokus beim Golfen. Und das hängt damit zusammen, dass wir äußerst sorgfältig darauf achten, dass die Funktion stimmt. Wir müssen alle Details an der Kleidung und im Bewegungsschema geklärt haben, auf denen Funktion und Leistung basieren.“

„Heutzutage sind alle Sportarten so extrem spezialisiert, dass man es sich zwei- oder dreimal überlegen muss, ehe man sich auch auf dieses Feld wagt“, meint Sven-Olof Karlsson.

„Derzeit ist es auf jeden Fall nicht aktuell.“

„Dennoch können wir es nicht lassen, unsere Kleidungsstücke von Triathleten testen zu lassen, die schwimmen, Rad fahren und laufen.“ 

„Deren Anregungen sind für uns sehr wertvoll“, ergänzt die Chefdesignerin Chris Mattsson, „wenn unsere Bekleidung dort standhält, dann wissen wir, dass sie auch auf dem Golfplatz standhält.“

Wenn Sie die Gelegenheit bekäme, würde sie sich mehr als gern an den Zeichentisch setzen, um Bekleidung für diese Sportarten zu entwerfen, doch bisher geht es nur um Golf. 

Übrigens ist ein Abakus zunächst einmal ein Rahmen mit Kugeln, der früher zum Rechnen verwendet wurde.

Es gibt viele, die auch heute und in Zukunft mit Abacus rechnen.