Herzlichen Glückwunsch Major Garcia


Mit zwölf jahren gewann er die Clubmeisterschaft. Mit fünfzehn jahren debütierte er auf der Europatour. Er hat fast alles gewonnen. Und vor ein paar wochen geschah endlich, wonach er sich gemeinsam mit der ganzen golfwelt gesehnt hatte: sein erster sieg bei einem Major! Auf dem Augusta National besiegte er seinen besten kumpel, Justin Rose, in einem harten kampf am letzten tag.

Der Sieg kommt, wenn er kommt, sagte er mir ein paar Wochen vor den US Masters auf Augusta. Er schien entspannt, doch zugleich der Dauerfrage etwas überdrüssig.

Und es gab auch bereits kleine Anzeichen, dass diese Saison, die für Sergio so gut begonnen hatte, die Saison werden sollte, in der er nach über 70 Versuchen endlich seinen ersten Major erringen sollte. Harmonie und Glück außerhalb des Platzes können den Weg zu noch größeren Erfolgen sein – im Juli wird er nämlich heiraten

Anfang des Jahres wurde er 37. Trotz seines relativ geringen Alters war er immer unter den allerbesten Golfern der Welt. Er begann auch ungewöhnlich früh, sich in das Spiel um den Platz ganz oben auf dem Siegerpodest einzumischen.

Sergio Garcia debütierte nämlich bereits als 15-Jähriger als Amateur auf der Europatour. Er war der jüngste Spieler, dem es gelang, alle vier Runden bei den Turespaña Open Mediterranea zu spielen. Und im selben Jahr gewann er auch gleich die European Amateurs. Doch es sollte noch vier Jahre dauern, ehe er den Schritt in die Reihen der Profis machte.

Mit dem Golfen begann er schon sehr früh. Als Dreijähriger durfte er seine ersten Schwünge machen. Sein Vater war Trainer in einem Club in Madrid und achtete darauf, dass El Niño, der Kleine, die richtigen Bewegungen lernte. Es funktionierte anscheinend mehr als gut. Mit zwölf Jahren wurde er Clubmeister.

„El Niño war ein schöner Kosename. Ich erhielt ihn eigentlich erst mit vierzehn. Doch das ist ja schon lange her. Jetzt bevorzuge ich Sergio, ich nähere mich den 40“, betont er und scheint zeigen zu wollen, dass er den Kinderschuhen entwachsen ist. Scheint sogar ein bisschen irritiert zu sein, daran erinnert zu werden. Jetzt ist er Sergio, ein stolzer Spanier und Kosmopolit. Hombre!

Zu Beginn seiner Karriere schlossen viele von uns ihn schnell in ihr Herz. Er strahlte früh schon all das aus, was wir sehen wollten. Anscheinend vollständig ohne Furcht und Respekt, wenn es um knifflige Positionen und Situationen ging. Seine Kühnheit und die Fähigkeit, sich aus Problemen zu befreien, ließen einen an seinen Landsmann Severiano Ballesteros denken. Einer der beliebtesten Spieler, den das Golf je gesehen hat.

„Ich bekam allein vom Betrachten von Seve eine enorme Lust auf das Spiel. Ja, man kann sagen, dass ich sogar eine Erregung spürte. Das hat mich und mein Spiel geprägt. Er war ein einzigartiges Vorbild, das nicht nur für uns Spanier, sondern für alle, die Golf spielen, enorm viel bedeutete“, sagt Sergio Garcia und fährt fort:

„Sein aggressiver Spielstil fühlte sich für mich natürlich an. Er passt zu meinem Temperament, und ich glaube nicht, dass sich mein Stil allzu sehr verändert hat, auch wenn ich im Laufe der Zeit etwas ruhiger geworden bin und den Ball nicht mehr so stark bearbeite wie früher.

Ich versuche immer, verschiedene Schläge, verschiedene Möglichkeiten zu sehen. Nichts darf mir fremd sein“, berichtet Sergio. Es ist möglich, dass Seve Ballesteros ihm am Sonntag, den 9. April auf Augusta besondere Kraft verlieh. An jenem Tag wäre Seve Ballesteros 60 Jahre alt geworden!

1999 bei der PGA-Meisterschaft auf Medinah in der Nähe von Chicago konnte die ganze Welt erstmals Bekanntschaft mit dem jungen, furchtlosen Spanier machen. Es war seine erste Saison als professioneller Golfer, und am letzten Tag beim Spiel um den Sieg gegen niemand Geringeren als Tiger Woods setzte Sergio den Star unter Druck. Nicht zuletzt durch den zweiten Schlag am 16. Loch, einem Dogleg Par 4 mit einem hoch platzierten Grün.

Garcia hatte den Ball nach rechts zu den Bäumen geschlagen. Als er die Stelle erreichte, um seinen zweiten Schlag zu machen, stellte er fest, dass der Ball sehr nah am Baumstamm lag. Jeder andere Spieler, vielleicht mit Ausnahme von Seve Ballesteros, hätte die bittere Pille geschluckt und den Ball einfach nach links auf das Fairway geklopft.

Doch nicht Sergio Garcia. Er war ja nur einen oder zwei Schläge davon entfernt, in seiner ersten Profisaison ein Major zu gewinnen. Noch dazu in einem Duell mit Tiger. Er witterte in diesem Augenblick eine sensationelle Siegmöglichkeit.

Er zog sein 4er Eisen aus dem Bag. Weder Publikum noch Fernsehkommentatoren trauten ihren Augen. Ein Fernsehkommentator rief sogar aus, dass junge Golfer die Augen schließen sollten. Das war wirklich nicht nachahmenswert. Er konnte sich in der Tat verletzen, falls er den Ball nicht am Baumstamm vorbeischlug.

Ob die jungen Golfer die Augen schlossen, wissen wir nicht, doch ganz sicher schloss Sergio Garcia die Augen, als er den Ball schlug. Sich der Gefahr aber auch der Chance bewusst, falls es ihm gelang.

„Ja, es stimmt tatsächlich, dass ich die Augen schloss und schlug.“

Der Ball flog in einem Bogen von links nach rechts. Als er die Augen wieder öffnete, machte er einen Satz und lief so schnell er konnte, schräg das Fairway hinauf. Fünfzehn Schritte später kam der Sprung, der „Scherensprung“, von dem alle reden sollten. Sergio Garcia war es gelungen, das Grün zu erreichen – mit einem, wie viele meinten, der eigenartigsten Golfschläge der Wettkampfgeschichte. Obwohl er einen Schlag auf Tiger Woods aufholte, reichte es damals nicht zu einem Major. Doch 18 Jahre später auf Augusta war es dann soweit.

Auf seiner eigenen Internetseite, www.sergiogarcia.com, hat er sich mit Distanz und Humor der Frage gewidmet, warum es so lange gedauert hat. Schauen Sie sich doch das Video an, in dem er mit Präzision das eine Hirngespinst nach dem anderen abhakt, mit Wedges und auch seinem Driver.

Obwohl Sergio häufig auf der PGA Tour in den USA spielt, wohnt er noch in Europa. Zum einen kann das daran liegen, dass er die europäischen Plätze den amerikanischen vorzieht.

„In den letzten Jahren hat es eine Entwicklung gegeben, dass in dem Maße, wie wir weiter schlagen konnten, die Bahnen immer länger wurden. Ich finde, ehrlich gesagt, dass es viel interessanter ist, kürzere Bahnen mit kniffligeren Grünbereichen zu spielen. Das fordert uns Spieler technisch wie strategisch viel mehr heraus“, meint Sergio und nimmt die britischen Links-Plätze als gute Beispiele hierfür.

„Ja, Carnoustie ist der beste Platz, auf dem ich bisher gespielt habe. Hier müssen so viele Faktoren berücksichtigt werden, sodass die Herausforderung umso größer und interessanter wird. Und dann muss ich natürlich auch Valderrama nennen. Nicht besonders lang, doch zwischen den Korkeichen kann viel passieren. Dazu kommen die kleinen, schnellen gewellten Grüns. Wow!“

Es wäre verwunderlich, wenn Sergio nach dem größten Triumph seiner Karriere Augusta nicht auf seine Lieblingsliste setzen würde.

Die Golfwelt gönnt dem charismatischen Spanier diesen Erfolg, vielleicht mehr als irgendjemand anderem.