Henrik Stenson – voller Fokus!

 

Henrik Stenson ist der angesagte Golfspieler der Welt. Mit siegen im Endspiel der PGA-Tour, auf der geldrangliste der Europatour und einer Ernennung zum Sportler des Jahres 2013 in Schweden steht sein Telefon selten still. Da kann es schwierig sein, sich auf die eigenen Aufgaben zu konzentrieren - 2014 noch besser Golf zu spielen und ein Major zu gewinnen!

Eine Golfkarriere hat ihre Höhen und Tiefen. Das weiß Henrik Stenson. 2009 gewann er das TPC auf Sawgrass und stand auf dem fünften Platz der Weltrangliste. Drei Jahre später befand er sich auf Platz 230. Statt früherer Großereignisse wie die British Open spielte er um die Clubmeisterschaft zu Hause im Barsebäck Golf & Country Club, da die Einladungen zu den großen Turnieren ausblieben.Er war gezwungen, eine Entscheidung zu treffen: Noch härter zu arbeiten oder sich mit der derzeitigen Situation zu begnügen.

Wir alle wissen, welche Entscheidung er traf.

2013 war er wieder zurück, mit einem stärkeren Fokus und einem neuen, alten mentalen Trainer: Torsten Hansson. Henrik Stensons Erfolge im Folgejahr suchen ihresgleichen.

Er war der erste Europäer, der den FedEx Cup in den USA gewann. In diesem Jahr gewann er außerdem The Tour Championship und die Deutsche Bank Championship sowie die World Tour Championship in Dubai. Außerdem erreichte er den zweiten Platz bei den British Open und einen dritten Platz bei der PGA-Meisterschaft.

Er wurde 2013 auch, wenig verwunderlich, zum dritten Mal zum Golfspieler des Jahres in Schweden gekürt, nachdem er 2006 und 2007 zweimal hinter-einander mit dem Titel ausgezeichnet worden war. Er wurde auch Spieler des Jahres auf der European Tour. Insgesamt gesehen gelang ihm in diesem Jahr etwas, was keinem anderen Golfspieler in diesem Jahr gelungen war, nämlich das Endspiel der PGA-Tour und die Geldrangliste der Europatour zu gewinnen!

Im Herbst war Henrik Stenson ohne Diskussion der beste und angesagteste Golfer der Welt.

Doch nachdem die Weltrangliste etwas hinterherhinkt, beendete er das Jahr als Nummer Drei. In der ganzen Welt wird sein Name mit Respekt genannt. Daheim in Schweden drehte sich die Diskussion meist um Preisgelder und wie jemand über 70 Millionen Kronen in einem Golfturnier gewinnen kann.

Ich weiß, dass ihn diese Diskussion enttäuscht hat.

Eine Art von Genugtuung wurde ihm während der jährlichen schwedischen Sportgala zuteil, als er zum Sportler des Jahres gewählt wurde sowie mit dem schönsten Preis ausgezeichnet wurde, den ein schwedischer Sportler erhalten kann – den Jerringpreis, bei dem die schwedische Bevölkerung den Gewinner wählt. Über 250.000 Menschen hatten für Henrik Stenson gestimmt.

„Das war der Höhepunkt einer langen, seit vorigem Sommer ansteigenden Formkurve. Es ist super, Auszeichnungen außerhalb des Golfsports zu erhalten. Die schwedische Bevölkerung stimmte für mich und für das Golfen. Herrlich! Außerdem wissen wir jetzt, dass Golf ein Sport ist, also muss sich darüber niemand mehr den Kopf zerbrechen“, sagt Henrik in seinem Hotelzimmer in Abu Dhabi.

Das erste Turnier 2014 in Abu Dhabi hätte jedoch besser laufen können. Er schaffte die Qualifikation nicht und hatte plötzlich ein paar Trainingstage zur Verfügung.

„Einerseits gut, auch wenn es nie schön ist, die Qualifikation nicht zu schaffen. Jetzt habe ich die Möglichkeit, nach all der Aufregung ein wenig herunterzufahren“, sagt Henrik.

Außerhalb des Hotels ist es warm. Angenehm warm, wie man auf Schwedisch sagen würde. Die Klimaanlage surrt diskret, und auch wenn das Hotelzimmer in Abu Dhabi liegt, könnte es sich im Prinzip irgendwo auf der Welt befinden.

„Nächste Woche geht es nach Dubai. Darauf freue ich mich, da wir dort ungefähr zehn Jahre lang gelebt haben und es sich fast wie ein Zuhause anfühlt“, berichtet Henrik.

Wie hat sich das Interesse für das Golfen bei dir entwickelt?
„Ich war elf oder zwölf Jahre alt, und es war eher Zufall. Mein großes Interesse galt dem Fußball, doch als die Eltern meines Kumpels fragten, ob ich mit ihnen zum Golfplatz wollte, dem Gullbringa zwischen Kungälv und Marstrand, sagte ich ja. Ich machte eine Menge Schläge, die meisten waren schlecht. Doch einige waren wirklich gut, und da hatte mich das Fieber gepackt! Als ich nach Hause kam, bat ich meine Eltern um ein paar Golfschläger. Meine Eltern spielten kein Golf, aber sie besorgten mir ein paar Schläger, und ich trainierte jeden Tag. Meine Mutter und mein Vater brachten mich abwechselnd zum Golfplatz, und da Papa während des Trainings gewöhnlich wartete, begann er auch ein paar Bälle zu schlagen.“

Warst du ein Wunderkind?
„Nein, ich war wirklich kein Wunderkind. Sicherlich hatte ich Ballgefühl vom Fußball, aber ich war definitiv nicht der erste, der für Mannschaften oder so gewählt wurde. Talent für Golf hatte ich vielleicht, nachdem ich mit 17 ein Handicap von Null hatte und mit 18 in der Juniorennationalmannschaft spielte. Aber auch hier war ich sicherlich nicht derjenige, der auf der Liste des Nationaltrainers ganz oben stand.“

Technik oder Gefühl?
„Ich habe viel trainiert und hart an meinem Golfspiel und meiner Technik gearbeitet. Am besten bin ich im langen Spiel mit langen Eisen und Hölzern. Gewiss gibt es Spieler, die viel von ihrem Gefühl leben, andere mehr von einer mechanischen Technik. Doch wenn man heute in der Weltspitze spielen will, muss man bei fast allem gut sein.“

Hast du irgendetwas Spezielles getan, um so gut zu werden?
„Darauf gibt es keine einfache Antwort. So vieles ist wichtig, vom Krafttraining bis zum Essen. Man kann sagen, dass ich hart daran gearbeitet habe, mein Spiel laufend weiterzuentwickeln. Als ich auf Platz 230 stand, begann ich mich ernsthaft mit dem Spiel zu beschäftigen. Für mich waren langfristige Ziele und meine Positionen Schritt für Schritt zu verbessern das Wichtigste. Es war harte Arbeit über lange Zeit, die sich jetzt auszahlt.“

Spielen deine Frau und deine Kinder Golf?
„Meine Frau Emma spielte ziemlich gut Golf und hatte ein Stipendium in South Carolina in den USA. Dort trafen wir uns 1997, und man kann sagen, dass ich ziemlich viel an ihrer Schule herumhing, ohne die Schule zu besuchen! Wir spielen hin und wieder immer noch zusammen, aber leider nicht mehr so oft. Die Kinder scheinen interessiert, vor allem Kalle, aber wir werden sehen. Ich habe viel zu oft erlebt, wie Eltern ihre Kinder zu stark pushen – es braucht nun mal seine Zeit.“

Hast du eine Bestenliste von Golfplätzen?
„Wenn ich nur noch einen Platz in meinem Leben spielen dürfte, dann wäre es der Old Course auf St. Andrews. Nicht weil es der beste Golfplatz der Welt ist, sondern wegen des Gefühls und der Geschichte des Platzes. Ein richtig guter Golfplatz ist auch der TPC Sawgrass, der eine herrliche Mischung aus „Risiko und Belohnung“ bietet. Dann kommt der Augusta National mit seinem unvergleichlichen Finish und Zustand.“

Was tust du, wenn du nicht Golf spielst?
„Nichts zu tun zu haben, ist für mich ein ganz fremdartiges Gefühl. Im letzten Jahr gab es kaum solche Zeiten. Manchmal wundere ich mich selbst, wie ich das alles schaffe. Ich war im letzten Jahr 32 Wochen bei Turnieren und von der Familie getrennt, und ich hoffe, dass es für die Kinder O.K. ist, dass ich so in ihrem Alltag auftauche und wieder ver-schwinde. Für mich ist es Luxus, nichts zu tun. Die wenigen Male, die ich frei habe, versuche ich so viel Zeit wie möglich mit meiner Familie zu verbringen und in meinem eigenen Bett zu schlafen. Manchmal gehe ich auch etwas Skilaufen oder zum Angeln.“

Spielt für Callaway Golf

„Ab diesem Jahr bin ich „Staff Player“ für Callaway Golf, was bedeutet, dass alles in meiner Golftasche von Callaway ist – außer den Bällen. Da spiele ich Titleist. Auch wenn ich jetzt ein „richtiger“ Callaway-Spieler bin, hatte ich immer schon viele Callaway-Schläger in meiner Tasche. Meine Eisenschläger sind Legacy Black mit Nippon Modus X-Stiff-Schaft. Meine Metalwoods sind Callaway Octane 3 mit 12,5 Grad Loft und X Hot 4 mit 17 Grad Loft. Der Driver ist ein Big Bertha Alpha mit 9 Grad Loft. Callaway hat fantastische Produkte, und ich freue mich über die intensivere Zusammenarbeit.“

Weißt du, wie viel Geld du erspielt hast?
„Nein, aus dem Stehgreif eigentlich nicht. Aber es ist nicht das Geld, das mich antreibt. Das klingt vielleicht ein bisschen lächerlich. Die 30 besten Spieler der Welt beim PGA-Endspiel hinter mir zu lassen und mit Tiger Woods beim FedEx Cup um den Sieg zu spielen und ihn dann mit neun Schlägen zu schlagen, war für mich eine größere Befrie-digung als der Siegerscheck. Natürlich bin ich nicht jemand, der den Scheck verschmäht, aber die 30 besten zu schlagen macht mehr her als zehn Millionen Dollar an Siegprämie. Doch jetzt ist 2014, und 2013 ist vorbei. Es ist an der Zeit, die Bücher zu schließen, und vorwärts zu schauen!“

Welche Ziele hast du für 2014?
Nachdem 2013 in vielerlei Hinsicht ein Rekordjahr war, besteht die Gefahr, dass 2013 die beste Saison meiner Karriere war. Diese Feststellung ist ziemlich krass für mich. Natürlich hoffe ich nicht, dass es so kommt, und natürlich sind der gesamte Fokus und all meine Vorbereitungen darauf gerichtet, 2014 eine noch bessere Saison zu spielen und 2015 wieder eine noch bessere und so weiter, und ich glaube, dass ich gute Möglichkeiten habe, in der Weltrangliste weiter nach oben zu klettern.

Zukünftig ist mein Fokus stark darauf gerichtet, Majors zu gewinnen. Ich möchte wirklich eines der vier Majors des Golfs gewinnen. Nicht, weil ich das als erster Schwede erreichen möchte, sondern weil Majors die größte Bedeutung haben, wenn letztlich ein Schlussstrich unter die Karriere gesetzt wird. Viel mehr als ein dicker Siegerscheck. Ich habe noch vier bis fünf Jahre vor mir, also rund 20 Majors, wenn ich mich nicht verletze und fit bleibe. Das sind 20 Chancen, ein Major zu gewinnen. Das ist es, worauf mein Stab und ich uns konzentrieren. Als erstes ist der Fokus voll auf das Masters auf Augusta gerichtet. Als zweites ist mein größtes Ziel, als Europäer die British Open zu gewinnen. Danach kommen für mich die US Open und dann die PGA-Meisterschaft.

“Die Saison 2014 ist wichtig für ihn. Jetzt muss er beweisen, dass das letzte Jahr nicht einfach nur Zufall war. Eine genaue Planung ist einer der Schlüssel, um den Erfolg zu wiederholen. Für ihn und seinen Stab gilt, den Kalender im Griff zu haben, damit er genügend Zeit für Training, Ruhepausen und die Familie hat. Um ganz einfach eine Balance zwischen Golf und all den anderen Dingen zu finden.

Das ist nicht ganz leicht.

„Ich werde oft gefragt, wie ich das Ergebnis von 2013 noch übertreffen will, aber die Antwort ist ganz einfach die, dass ich es in diesem Jahr nicht besser machen muss, nur wieder genauso gut!“, sagt Henrik und lacht.

So einfach kann man es sehen!


HENRIK STENSON

Geboren: 5. April 1976 in Göteborg.
Größe: 187 Zentimeter.
Gewicht: 90 kilo.
Familie: Verheiratet mit Emma Stenson, zwei Kinder: Lisa, 7 Jahre, und Karl, 4 Jahre.
Wohnhaft: Lake Nona, Orlando, nicht weit von Annika Sörenstam, die er für die beste Sportlerin der Welt hält.
Hobbys: Golf, klar, Autos mit Formel 1, Tennis und Fußball.
Spielt für: Barsebäck Golf & Country Club.
Profi: 1999.
Preisgelder: Etwa 218.000.000 Kronen.
Weltrangliste: Nr. 3 nach Tiger Woods (1) und Adam Scott (2).