Golden Boy des Golfs

 

Kein Spieler, sei es auf der PGA-Tour oder der Europatour, kann einen so typischen look aufweisen wie er. Er ist außerdem ein echtes Vorbild für hunderttausende junger fans auf der ganzen Welt. Jetzt beginnt seine bisher beste Saison.

Die rauschenden Wellen des Pazifiks, die auf den Strand von Newport Beach im Süden Kaliforniens zulaufen, versetzen die Luft in Bewegung. Erfrischen die Sinne und sorgen für gute Laune. Und das obwohl es erst kurz vor sieben Uhr morgens ist und die Dunkelheit immer noch über dem Parkplatz des Newport Beach Golf & Country Club hängt.

Der Club baut im Übrigen gerade ein neues Clubhaus, eine kleine Hütte mit etwa viertausend Quadratmetern, doch von einem Interview in netter Umgebung mit tiefen Polstersesseln vor dem offenen Kamin kann keine Rede sein. Bis zur Einweihung ist es noch ein knappes Jahr hin.

Nein, das Interview mit Rickie Fowler findet in einem kleinen Schuppen direkt neben dem Maschinenpark des Clubs statt. Fern von all dem Glamour, den man mit den heutigen Megastars verbindet.

Der pechschwarze SUV mit seinen getönten Scheiben kommt zum Stehen, und heraus springt der 27-jährige Rickie Fowler. Wenn man die frühe Uhrzeit bedenkt, strahlt er frohgelaunte Energie aus. Ziemlich klein von Wuchs und nicht so kräftig wie viele seiner jungen Kollegen. Er scheint der Inbegriff des coolen Typs von der amerikanischen Westküste zu sein, der schon immer eine Menge unterschiedlicher Sportarten betrieben hat, wobei das Golfen jetzt natürlich die meiste Zeit beansprucht.

„Klar ist das so. Doch in meiner freien Zeit gehe ich immer noch häufig zum Angeln“, erklärt er und nimmt schnell einen Schluck Kaffee. „Geangelt habe ich schon immer. Vielleicht habe ich daher meine große Geduld. Du weißt ja, dass man beim Golfen viel Geduld braucht.“

Ich stimme ihm zu und denke über diese Eigenschaft nach. Kann man Geduld trainieren? Bilde mir ein, dass man das vielleicht kann, und höre zu, was Rickie von seinen ersten Schlägen auf der Range zu Hause in Murrieta, ein paar Autostunden von Los Angeles entfernt, erzählt.

„Ich war damals drei Jahre alt. Einmal die Woche nahm mich mein Großvater zur Murrieta Valley Golf Range mit.

Er erzählte Geschichten über das Leben, und das tut er noch heute. Ich glaube, dass es gut ist, sich anzuhören, welche Erfahrungen andere Menschen gemacht haben. Manchmal muss man außerdem gar nicht viel sagen. Man kann auch ohne Worte viel sagen. So war es auch häufig mit meinem ersten Trainer“, berichtet Rickie.

Vielleicht kommt die Geduld ja gerade aus dem Schweigen. Der junge Rickie erweckte auf der Range schnell große Aufmerksamkeit. Mit viereinhalb Jahren spielte er sein erstes Golfturnier, und ziemlich schnell wurde Barry McDonell eine wichtige Person in seinem Leben.

Barry war der Trainer auf der lokalen kleinen Range in Murrieta. Ihm wurde mit der Zeit klar, dass dieser Junge hier etwas ganz Großes werden würde. Und er hatte sein eigenes Rezept, um das Interesse in ihm wach zu halten.

Rickie Fowler lernte schon früh, verschiedene Arten von Schlägen zu schlagen. Nicht einfach nur üben, üben, üben, sondern die Schläge formen und herausarbeiten. Das war sicherlich auch sehr notwendig. Der junge Rickie schlug mit dem Driver seines Vaters. Nicht gekürzt, nein, in voller Länge, was ihm Kraft in Händen und Unterarmen brachte. Gleichzeitig erhielt er auch die Schnelligkeit, die heute so typisch für seinen Schlag auf den Ball ist.

Barry McDonell brachte Rickie auch dazu, ohne eine Menge unnötiger und destruktiver Gedanken zu spielen.

„Er brachte mich dazu, mich auf das Ziel zu konzentrieren: 5 Meter nach rechts oder nach links oder direkt auf den Flaggenstock zu. Je eher man das lernt, desto besser spielt man Golf. Wenn Geduld ein wichtiger Faktor ist, so ist Selbstvertrauen ein weiterer“, meint Rickie.

Barry McDonell legte den Grundstein zu seinem hohen Selbstvertrauen. Barry starb vor fünf Jahren, 75 Jahre alt, ist aber immer noch ein wichtiger Teil in Rickie Fowlers Leben.

Fowler kehrt stetig zurück zu seinen Wurzeln. Die Eltern, die Großeltern und der Trainer in Murrieta. Er tut das in dem Wissen, dass er aus einfachen Verhältnissen kommt. Er ist kein „Countryclub Kid“, wie er es nennt. Seine Kindheit, in der er all das tun konnte, was ihm in der Freizeit am wichtigsten war, also Motocross, Angeln und Golf, scheint ihm Sicherheit und Stärke verliehen zu haben. Ihm wurde nichts geschenkt, er kombinierte Ausdauer mit seinem Talent. Er wurde zu einem Vorbild für Hundertausende von Fans auf der ganzen Welt. Wahnsinn!

27 Jahre zu sein und so viel Verantwortung auf den Schultern zu tragen.Ist das nicht manchmal belastend, grüble ich nach. Gibt es nicht Momente, in denen er träumt, etwas Verrücktes zu tun? Etwas Durchgeknalltes?

„Nein, absolut nicht. So denke ich nicht.

Ich möchte das Richtige tun und weiterhin ein Vorbild sein.

Die Leute gut behandeln. Ich war noch nie auf Stress aus, hatte niemals Skandale in der Presse. Diese Art zu leben möchte ich gern fortsetzen.“

Unverkennbar hat er früh und deutlich gelernt, zwischen richtig und falsch zu unterscheiden.

Als Hauptsponsor ist sich Cobra Puma Golf dessen wohl bewusst, und es war wohl auch kein Zufall, dass sich das Unternehmen an Rickie Fowler wandte, als man einen Spieler suchte, der dem positiven, jugendlichen Image gerecht werden konnte.

– „Die Geschäftsleitung in Carlsbad horchte mit dem Ohr am Gleis und musste nicht lange suchen“, berichtet Thore Ohlsson, schwedisches Aufsichtsratsmitglied bei Cobra Puma Golf worldwide.

„Er hatte und hat immer noch all das, wofür wir gern stehen möchten. Jugend, Charisma und sympathisches Auftreten und natürlich das Spiel. Wir nahmen ihn unter Vertrag, ehe er ein Megastar wurde, und heute bedeutet er enorm viel für unsere Marke und sicherlich ebenso viel für viele seiner jungen Fans.“

„Kein anderer Golfspieler ist derzeit so eng mit seinem Hauptsponsor verbunden“, sagt Thore Ohlsson und berichtet, dass Cobra/Puma laufend nach jungen, vielversprechenden Golfern Ausschau hält. Oder mit dem Ohr am Gleis horcht, wenn man so will. Es geht um etliche Millionen Dollar an Einnahmen – neben dem eigentlichen Spiel.

Die Symbiose Fowler – PUMA ist einzigartig.

„Wir sind wirklich zusammengewachsen, PUMA und ich. Ich bin überzeugt davon, dass es mit einem anderen Unternehmen viel schwerer gewesen wäre“, behauptet Rickie.

„In all dem, wofür das Unternehmen steht, erkenne ich mich selbst wieder. Es ist ein spezieller Stil, mit dem ich mich wohl fühle. Nehmen wir beispielsweise die Bekleidung, die ist wirklich etwas Besonderes.“

„Auch wenn meine Bekleidung von professionellen Designern entworfen wird, habe ich doch einen Einfluss darauf, wie sie aussehen soll. Ich würde nie etwas anziehen, in dem ich mich unwohl fühle. Von anderen aufgezwungen, wenn du verstehst, was ich meine“, lacht Rickie Fowler und wirft einen kurzen Blick auf all die neuen Kleidungsstücke, in denen er etwas später fotografiert werden soll. Er ist sehr an Bekleidung und Mode interessiert. Seine Garderobe ist enorm und enthält einiges an Bekleidung, die er noch nie getragen hat, doch Vieles gibt er für wohltätige Zwecke ab und an andere, die es verdient haben.

Die orangefarbenen Hosen und Hemden wurden schnell sein Markenzeichen. Ganz zu schweigen von den Caps mit riesengroßem, geradem Schirm. Die Caps sahen eigentlich etwas idiotisch aus, doch sie haben einen Trend gesetzt. Die Farbe ist eine bewusste Wahl von Rickies Seite.

„Orange ist eine Reminiszenz an meine zwei Jahre am Oklahoma State University in Stillwater. Für mich ist es auf jeden Fall mein zweites Zuhause und ich habe natürlich engen Kontakt zu vielen meiner Freunde dort. Ich fahre oft dorthin, um etwas zurückzugeben, Zeit ebenso wie Geld“, sagt Rickie und personifiziert damit den amerikanischen Erfolg.

Man gibt immer etwas an diejenigen zurück, die den eigenen Erfolg ermöglicht haben, und auch hierin erweist Rickie Fowler sich wieder als echtes Vorbild.

Einige Zeit im letzten Jahr bis zur Players Championship am TPC Sawgrass in Florida kamen Zweifel an Fowler auf. Mehrere Experten und Spieler waren der Ansicht, dass er stark überschätzt sei. Er hatte ja bloß einen PGA Tour-Sieg aus dem Jahr 2012 im Gepäck. In einem Land, in dem zweite Plätze nichts weiter sind als Platzierungen und nur Siege zählen, kommt es zu Murren in den eigenen Reihen, wenn ein Spieler mit seiner Haltung und Exponierung es nicht bis ganz nach oben schafft.

Und an jenem Wochenende im Mai des letzten Jahres waren sich seine Kritiker ihrer Sache sicher. Mehrere Schläge hinter den Führenden. Ein verlorener Schlag am zehnten Loch. Gefolgt von einem missglückten Birdie am nächsten. Der Sieg war gewiss noch möglich, doch um tatsächlich zu gewinnen, war eine echte Sensation erforderlich.

Mit dem Rat seines alten Trainers Barry McDonell im Hinterkopf, das Gehirn frei zu machen von Nebensächlichkeiten und sich auf die Aufgabe zu konzentrieren, kam die Wende.

„Es gelang mir, die negativen Gedanken beiseitezuschieben. Mir war klar, dass ich mit Birdies bei den vier letzten Löchern eine gute Chance haben würde. Ich schaffte drei Birdies und einen Eagle! Und war damit im Play-off gegen Kevin Kisner und Sergio Garcia. Und genau diese vier letzten Löcher waren beim Play-off zu spielen. Rate mal, ob ich zufrieden war, beim normalen Spiel für die letzten Löcher nur 11 Schläge benötigt zu haben. Das half mir sehr“, sagt Rickie, der sich mit dem Versenken des dritten Birdies an diesem Tag an TPCs Signature Hole, dem siebzehnten, seinen zweiten PGA Tour-Sieg sicherte.

Er macht nicht den Eindruck, als wolle er darüber reden, dass dies ein Schlag für all jene war, die an seinen Fähigkeiten zweifelten. Dass er sich revanchierte. Vielleicht aus dem Grund, dass er nicht der Typ ist, der sich freut, denjenigen das Maul stopfen zu können, die nicht zu seinen größten Fans gehören.

Nein, eher weil ihm klar war, dass der Sieg kommt, wenn er kommt, und dass er wiederum zu weiteren Erfolgen führt. Tja, so einfach kann es sein.

Es kam im letzten Jahr nämlich zu zwei weiteren Siegen, bei den Deutsche Bank Open, am TPC Boston, wo er Henrik Stenson auf den letzten Drücker überholte, und bei den Scottish Open auf Gullane, außerhalb von Edinburgh. Auffällig ist, dass er die drei Siege mit dem geringstmöglichen Vorsprung erzielte, was vielleicht etwas über seine Fähigkeit sagt, sich durchzubeißen, wenn es heiß hergeht.

Rickie Fowler erreichte in seiner Karriere außerdem bei sämtlichen Majors Platzierungen unter den ersten fünf, davon zwei zweite Plätze. Ein fantastisches Ergebnis, doch wenn man sich auf diesem Niveau bewegt, gibt es weiterhin viele Ziele, und Rickie kann kaum seinen Eifer verbergen, mit der Saison 2016 zu beginnen. Wie ein ungeduldiges Vollblut steht er in der Startbox und scharrt mit den Füßen.

Der Wettbewerb wird jedoch mit jedem Jahr härter. Es gibt eine ganze Herde junger Kerle zwischen 20 und 30, die Nummer Eins der Welt werden können.

„Ja, Jordan Spieth, Jason Day, Rory McIlroy, alle waren schon kürzere oder längere Zeit die Nummer Eins. Die oberste Spitze ist gleichmäßiger und vielleicht auch besser als seit vielen Jahren. Ich freue mich darauf, einer von ihnen zu werden. Es gibt also viele Gründe, noch härter zu trainieren und noch besser zu werden“, stellt Rickie fest und fährt fort, „und wir dürfen auch die routinierten Spieler zwischen 30 und 40 nicht vergessen!“ An der Spitze ist die Luft dünn.

„Ich muss mein Spiel verbessern, vor allem muss ich mehr Putts einlochen und außerdem vom Tee gleichmäßiger mit meinem Driver werden.“

„Letztes Jahr war das Jahr, in dem sich das Blatt meiner Karriere wendete. Mein nächstes Ziel ist, in den kommenden Jahren mehrere Male pro Jahr zu gewinnen – darunter mindestens ein Major.“

Selbstvertrauen und Geduld.Wenn du am wenigsten daran glaubst, beißt der größte Fisch an.

Play well Rickie!


EIN PAAR SCHNELLE TIPPS VON RICKIE:

01 Versuch es mal mit einem Eisen vom Tee, besonders wenn es eng ist. Wenn ferner die Fahne kurz steht, hast du gute Möglichkeiten, ein gutes Ergebnis zu erzielen.

02 Halte eine gute Linie. Nimm den Schläger in die rechte Hand und stell den Schlägerkopf square hinter den Ball. Richte den Blick dann auf eine Stelle im Gras ein paar Meter vor dem Ball.

03 Gehe keine unnötigen Risiken ein. Mach lieber zwei leichte Schläge als einen schweren zu riskieren, der zu einem Strafschlag führen kann.